Der Krieger

Gabriel ist heute 8 Jahre alt, mit mehreren Herzfehlern geboren hat er einen unglaublich steinigen Weg hinter sich. Seine Mama hat ihn von Anfang an den Krieger genannt. Weil er einer ist. Weil er durchhält, egal wie schwer es wird. Weil er immer wieder aufsteht, auf seine eigene Art.

Gabriel hat einen schweren Hirnschaden. Wie er entdeckt wurde, erfahrt ihr weiter unten. Was es für sein Leben bedeutet, ist jeden Tag zu spüren. Gabriel wird nie alleine leben können.

Der Hirnschaden hat bei Gabriel eine massive organische Reizfilterstörung hinterlassen. Das bedeutet: sein Gehirn kann die Flut an Eindrücken, Geräuschen und Reizen, die eine alltägliche Umgebung mitbringt, nicht filtern und verarbeiten. Was für uns ein normaler Supermarkt ist, ist für Gabriel ein nicht kontrollierbarer Ausnahmezustand. Draußen braucht er den Rollstuhl, weil er ohne die gewohnte Umgebung stolpert und hinfällt, gleichzeitig dient er ihm als Energiespeicher bei Überreizung des Nervensystems.

Das ist nicht Verhalten. Es ist Biologie. Und es ist der Grund, warum das Leben unserer Familie seit Jahren in den eigenen vier Wänden stattfindet. Der Supermarkt, der Kindergeburtstag, der Ausflug, wenn etwas nicht vertraut ist, zu laut und zu hell ist, bricht für Gabriel die Welt zusammen. Wir halten ihn. Als Familie. Das war immer so und das bleibt so.

Früher haben wir Gabriel überall mitgenommen. Feste, Rummel, Familienfeiern, in den Supermarkt, an den See. Er hat alles mitgemacht, alles aufgesogen. Er war neugierig. Er war da.

Zwei Versionen.
Dasselbe Ereignis.

Im Januar 2020 wurde Gabriel mit eineinhalb Jahren am Herzen operiert, in einem Kinderkrankenhaus. Wir haben diesem Eingriff vertraut. Wir hatten keine Wahl: ohne die OP wäre Gabriel gestorben, laut den Ärzten.

Als wir Gabriel nach der Operation zum ersten Mal sahen, war er bereits wach. Sie hatten ihn aufgeweckt, bevor wir zu ihm durften. Er lag da. Absolut apathisch. Kein Weinen. Kein Strecken. Nichts.

Wir haben das gesehen. Und wir haben nicht erkannt, was wir da sahen. Wie auch? Wer weiß, wie ein eineinhalbjähriges Kind nach einer mehrstündigen Herzoperation aussehen soll? Wir haben darauf vertraut, dass die Ärzte und Pflegenden im Raum uns sagen, wenn etwas nicht stimmt.

Jahrelang hatten wir keine Erklärung. Bis im Sommer 2023 unabhängige Ärzte in einer anderen Klinik ein MRT machten. Sie fanden einen schweren Hirnschaden. Als mögliche Ursache nannten sie eine Hypoxie (Sauerstoffmangel während der Herzoperation). Kurz darauf lagen uns zufällig beide Operationsprotokolle vor.

Das Wort „komplikationslos" war kein einmaliger Satz in einem Brief. Es war die Version, die uns jahrelang begleitet hatte. Im Entlassungsbrief stand, wörtlich:

„Die Operation konnte komplikationslos durchgeführt werden."
Entlassungsbrief des Krankenhauses, Januar 2020

Im Operationsprotokoll stand etwas vollkommen anderes: schwere Komplikationen nach Abgang von der Herz-Lungen-Maschine, ein zweiter vollständiger Herzstillstand, ein erneuter Anschluss an die HLM für eine Revision und am Ende eine Mitralklappe in schlechterem Zustand als davor.

Zwei offizielle Dokumente desselben Krankenhauses. Dasselbe Ereignis. Vollkommen unterschiedliche Versionen. In diesem Moment ergaben die Worte der Ärztin nach dem MRT plötzlich einen Sinn. In diesem Moment verstanden wir, warum Gabriel jedes Mal Angst hatte, wenn wir ihn zur Nachkontrolle brachten.

Wir haben alles versucht.

Patientenakte angefordert
Mehrmals direkt beim Krankenhaus. Keine Antwort.

Anwalt beauftragt
Das Krankenhaus mehrfach schriftlich aufgefordert. Keine Reaktion.

Krankenkasse eingeschaltet
Offiziell tätig geworden und dokumentiert: wesentliche Daten fehlen oder werden zurückgehalten.

Sechs Jahre absolute Vollzeitpflege, rund um die Uhr, jeden Tag ohne Pause zermürbt. Und mittendrin der jahrelange Kampf um Aufklärung, der uns die letzten Kräfte kostet, die wir noch haben. Es reißt an uns. An unserer Ehe. An unseren anderen Kindern, die mitleiden und zurückstecken müssen.

Es gibt einen letzten Weg: ein Gericht. Nur ein laufendes Gerichtsverfahren kann das Krankenhaus rechtlich zur vollständigen Herausgabe aller Unterlagen zwingen und gleichzeitig die gesetzliche Frist stoppen.

Wenn wir dieses Verfahren nicht bis Ende 2026 einreichen, ist Gabriels Anspruch auf Aufklärung für immer verjährt.

15.000 €

Spendenziel für das Gerichtsverfahren

Frist: Ende 2026

Schritt 1: Gerichtsverfahren einreichen
Nur ein laufendes Verfahren zwingt das Krankenhaus rechtlich zur Herausgabe aller zurückgehaltenen Unterlagen.

Schritt 2: Unabhängiges Gutachten
Erst mit den vollständigen Daten kann ein medizinischer Sachverständiger ein belastbares Gutachten erstellen.

Schritt 3: Prozessfinanzierer übernimmt
Diese Zusage haben wir bereits. Sobald das Gutachten vorliegt, trägt er alle weiteren Kosten.

Die 15.000 € sind nicht das Ende. Sie sind der Hebel, der alles weitere möglich macht.

Wir wollen keine Rache. Wir wollen kein Mitleid.
Wir wollen wissen, was mit unserem Sohn passiert ist.

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